Wissenswertes über Helix pomatia (Gewöhnliche Weinbergschnecke) 

 

Der Verzehr von Weinbergschnecken geht bis zu den Römern zurück, die sie als schmackhafte Nahrung auf ihrem Speiseplan hatten. Mit der Ausbreitung des römischen Reichs ging auch die weite Verbreitung von Helix pomatia mit einher, denn sie wurde von den Römern mitgeführt und gezielt ausgesetzt, um als frisches Lebensmittel im gesamten römischen Reich verfügbar zu sein. So findet man Helix pomatia heute fast in ganz Europa, vorausgesetzt die Bedingungen stimmen, denn sie beanspruchen kalkreiche Böden.

 

Im Mittelalter kam dann der Schnecke eine neue Bedeutung zu, denn sie wurde zur beliebten Fastenspeise, da sie laut Bibel weder Fleisch noch Fisch war und so in der Fastenzeit gegessen werden durfte. So entstanden vielerorts in Frankreich in der Nähe von Klöstern Schneckengärten.

 

Aber auch in Süddeutschland florierte der Schneckenhandel. Hochburg dieses Geschäfts war Indelhausen im Lautertal auf der Schwäbischen Alb. Noch heute zeugt der steinerne Schneckenhändler auf der Brücke in Indelhausen-Weiler und ein historischer Schneckengarten von dieser Zeit. Die Schnecken von der Schwäbischen Alb galten als besonders delikat, da sie mit Kräutern gefüttert wurden, die den Geschmack des Fleisches positiv beeinflussen. Die Schnecken wurden nach Ulm transportiert und gelangten von dort mit den Ulmer Schachtel über die Donau nach Frankreich und Wien. Neben der einfachen Fastenspeise und dem Armeleuteessen erlebten Weinbergschnecken nun einen Aufschwung zum „Herrenessen“ der Adligen und Reichen.

  

War Frankreich damals Hauptabnehmer deutscher Weinbergschnecken, so ist Frankreich heute der Hauptlieferant von Weinbergschnecken für Deutschland. 

 

Deckelschnecke

Den Winter überdauert Helix pomatia als Deckelschnecke, d.h. sie bildet einen harten Kalkdeckel aus, durch den sie vor Frost und Austrocknung geschützt ist. Diese eingedeckelte Helix pomatia stellte eine natürliche, gut transportierbare Konserve dar, die in napoleonischen Zeiten als Reserve den Soldaten mitgegeben wurde.

Zwischenzeitlich steht Helix pomatia unter Artenschutz und darf nicht mehr gesammelt werden. Bedingt durch die lange Entwicklungszeit bis zur Geschlechtsreife (3 - 4 Jahre) ist sie in manchen Regionen durch das massive Absammeln aber auch durch das Verschwinden geeigneter Lebensräume fast ausgestorben. 
 

Radula (Raspelzunge) der Weinbergschnecke

 

Liebespfeil der Weinbergschnecke

 

 

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